3.2 Organisationsformen des Unterrichts u. ihre inhaltliche Ausgestaltung
3.2.1 Klassenunterricht
Vorhabenunterricht
Der Vorhabenunterricht ist ein projektorientiertes, fächerübergreifendes Lernangebot. Lebenspraktisch bedeutsame Vorhaben können sein:
- Erkundungs- und Orientierungsvorhaben (Beispiele: Woher kommt das Brot? Mit Besuch beim Bäcker etc.)
- Kontakt- und Unterhaltungsvorhaben (z. B. Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Klassenfahrten, Theaterbesuchen oder der Erarbeitung eines Theaterstücks).
- Projekte in Zusammenarbeit mit Künstlern bis zu Ausstellungen
- Veränderungs- und Gestaltungsvorhaben (Beispiel: Gestaltung der Schulzeitung )
Lehrgangsartige Struktur des Unterrichts
finden wir besonders in den Werkbereichen. So wird zum Beispiel im Werken mit Ton systematisch ab Mittelstufe an den Grundformen Kugel, Platte und Wulst gearbeitet und diese dann in immer wieder neuen Varianten bearbeitet. Im Textilunterricht wird erst das Nähen mit der Hand geübt, dann beginnt ab Oberstufe das Nähen mit der Nähmaschine.
Lehrgangsartig sind auch der Werkunterricht mit Holz, Papier und Pappe und die Arbeit im Schulgarten aufgebaut.
3.2.2 Klassenübergreifender Unterricht
Regelmäßigen klassenübergreifenden Unterricht gibt es im Bereich Sport. So gelingt es uns am besten, zu differenzieren und in Leistungsgruppen zu arbeiten.
Die Eingangs-, Unter- und Mittelstufe haben Sport in zwei Gruppen.
Der Sport der Ober- und Werkstufenklassen teilt sich ebenfalls in zwei Leistungsgruppen/Motopädagogikgruppe. Die Bewegungserziehung (Motopädagogik) wird so gestaltet, dass viele Materialien und Bewegungsangebote in jeder Sportstunde präsent sind. Die Schüler werden zum Ausprobieren und Experimentieren herausgefordert. Ihnen wird die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft ermöglicht und geholfen, sich selbst wahrzunehmen. Die Schüler erleben Vertrauen in die eigene Geschicklichkeit, dass kreatives Tun Freude bringt, beim Bestimmen des Schwierigkeitsgrades eine realistische Selbsteinschätzung und auch, dass Fehler und Spielregeln hilfreich sein können.
Die Verbesserung der Bewegungskoordination sowie das Erlernen von Regelspielen und der dabei notwendigen Kooperation untereinander sind wichtige Lernziele im Sportunterricht der Unterstufe.
Der Schwimmunterricht wird in Leistungsgruppen durchgeführt. 14tägig fahren alle Schüler (außer den Schülern mit schweren Mehrfachbehinderungen, die ein eigenes Schwimmprogramm haben) zum Unterricht in die Schwimmhalle Zerbst. Die Lerngruppen „Wassergewöhnung“, „Freies Laufen im Wasser“ und „Gleitlage“ üben im Nichtschwimmerbecken. Die Gruppen „Fastschwimmer“ und „Schwimmer“ absolvieren den Unterricht im Schwimmerbecken. Es ist immer ein Ereignis, wenn ein Schüler die nächst höhere Schwimmgruppe erreicht, das wird auch mit einer Urkunde gewürdigt.
Sport für Schüler mit schwersten Mehrfachbehinderungen
1x wöchentlich gibt es für Schüler mit schwersten Mehrfachbehinderungen das Angebot zum Sport. Auch hier mischen sich Anteile der Motopädagogik mit Aspekten der Physiotherapie. Bewegung aktiv und passiv zu erleben, sind Hauptziele dieser Doppelstunden.
Ebenfalls 1x wöchentlich wird die Begegnung mit Wasser für schwerstmehrfachbehinderte Schüler angeboten. Pädagogische und physiotherapeutische Aspekte bilden ein gemeinsames Angebot. Ziele sind der Abbau von Angst vor Wasser, die Entwicklung von Wahrnehmung und Kontrolle der Körperlage im Wasser beim Treiben mit Schwimmhilfsmitteln bis hin zur Gleitlage einzelner Schüler. Spannungszustände werden harmonisiert.
Klassenübergreifender Werkunterricht findet besonders zwischen den Werk- und Oberstufen statt. Gemeinsame Werkvorhaben sind z. B die Kleinserienfertigung von Geschirr aus Gießton, und Vogelhäuser.
Der Musikunterricht der Eingangs- und Unterstufe findet gemeinsam statt, ebenso singen und tanzen die Oberstufen zusammen.
Die Vorbereitung von schulischen Höhepunkten wird natürlich auch klassenübergreifend gestaltet: die verschiedenen Angebote beim Tag der Offenen Werkstatt-Tür, dem Herbst-Hof-Fest. Besonders intensiv erleben die Schüler in gemischten Lerngruppen die Projekttage vor dem aller zwei Jahre stattfindenden „Tag der Offenen Tür“.
3.2.3 Neigungsgruppenunterricht
Wöchentlich einmal gibt es ca. 15 verschiedene Angebote. Die Schüler probieren zu Beginn des Schuljahres einige Angebote ihrer Wahl aus und entscheiden sich dann für die Teilnahme an einer AG für das ganze Schuljahr.
3.2.4 Kursunterricht
In fast jedem Unterrichtsfach unserer Schule werden Grundstufen des Lesens und Rechnens geübt: Situationslesen, Bild- und Symbollesen, Namen und Ganzwörter erkennen sowie sortieren, Formen und Farben benennen, abzählen.
Beherrschen Schülerinnen und Schüler diese Grundstufen sicher, besuchen sie den einmal pro Woche stattfindenden Kursunterricht. (sog. „Lesekurs“ bzw. „Mathekurs“), der klassenübergreifend in leistungshomogenen Kleingruppen durchgeführt wird. Als Höchstgrenze sind 6 Schüler pro Kurs vorgesehen, so kann intensiv geübt werden und die Schüler erhalten eine besonders individuelle und differenzierte Förderung.
In Lehrerkonferenzen wurden für die Kurse inhaltliche Schwerpunkte festgelegt. Die an unserer Schule bestehenden drei Kurse „Lesen und Schreiben“ und die vier Kurse „Mathematik“ bauen in ihren Niveaustufen aufeinander auf.
Neben dem weiteren Erwerb und der Festigung der Kulturtechniken haben die Vermittlung von Arbeitstechniken und die Lernmotivation einen hohen Stellenwert. So müssen sich die Schüler z. B. selbstständig um ihre Arbeitsmittel (Füller, Hefter, Schere, Lineal usw.) kümmern und diese zum Kurs mitbringen.
Modern ausgestattete Kursräume ermöglichen den Einsatz von Computern und motivierender Lernsoftware.
Einblick in einen Kursraum
Kurse „Lesen und Schreiben“
Lesekurs 1
Voraussetzung für die Aufnahme in den Deutschkurs 1 sind: Raum-Lage-Beziehungen, Bilderlesen, Symbollesen, Ganzwortlesen (z.B. von Wochentagen, Grundnahrungsmitteln, Namen der Mitschüler), Kennen der Anfangsbuchstaben dieser häufig gebrauchten Wörter.
- Laut-Buchstaben-Zuordnung erweitern, so dass das ganze Alphabet erarbeitet wird.
- große und kleine Buchstaben kennen und zuordnen können
- Übungen im Bestimmen des Anlauts, Inlauts, Auslauts
- Zusammenziehen von Buchstaben zu Silben
Lesekurs 2
- Erlesen von Wörtern mit einfacher Lautstruktur, Lautierübungen zu Silben und Wörtern, schrittweise Erweiterung des zu erlesenden Wortschatzes der Schüler, analytisch-synthetisches Vorgehen
- Erfassen kleiner Sätze, Herausbildung der Fähigkeit der Sinnentnahme gelesener Sätze.
- Anfänge des selbständigen Schreibens einfacher Wörter, Schreibübungen nach Vorlage.
- Herausbildung der Lesemotivation der Schüler durch Einbeziehung kleiner Rätsel und interessanter kurzer Sachtexte
Lesekurs 3
- Stete Entwicklung und Verbesserung der Lesefähigkeit der Schüler, stete Erweiterung des Wortschatzes der Schüler.
- Vertiefung der Fähigkeit des sinnerfassenden Lesens unbekannter Texte
- Wachhalten der Leselust und Weiterentwicklung der Lesemotivation der Schüler durch Einbeziehung von Texten aus der Erlebniswelt der Schüler (u.a. Artikel aus der „Löwenstark“), Lesen von Texten mit interessanten sachkundlichen Inhalten (Natur, Umwelt, Heimatgeschichte).
|